Die „Fondation Kräizbierg“ mit
Hauptsitz in Düdelingen kümmert
sich um Mitmenschen mit
Behinderungen im ganzen Land.
Außer auf dem Gelände in Düdelingen
mit unter anderem Ateliers,
einem „Centre de jour“ und einer
Schule werden die „Schützlinge“
der Stiftung in sechs weiteren
Wohneinrichtungen im Großherzogtum
betreut. Die Philosophie:
Individuell auf jeden eingehen.
Was haben die Stadt Düdelingen
und die „Fondation Kräizbierg“ gemeinsam? „Wir feiern beide in diesem
Jahr ein Jubiläum“, sagt Tom
Bellion, Direktor der „Fondation
Kräizbierg“. „Unseres ist zwar ein
wenig kleiner, aber es sind doch
schon 30 Jahre, die wir tätig sind.“
Am 18. November 1977 wurde der
Vorläufer der Stiftung gegründet.
Ziel: Personen mit Behinderungen
in das Alltagsleben zu integrieren
und ihnen eine Chance zu geben,
sich je nach den individuellen Möglichkeiten
zu entwickeln.
Heute gibt es außer dem großen
Zentrum der Stiftung in Düdelingen
noch sechs Wohnstrukturen:
das „Foyer Brill“ in Düdelingen und
das „Foyer Lankhelzerweiher“ in
Esch/Alzette für Jugendliche, das „Foyer Pietert“ in Grevenmacher
für mehrfach Schwerstbehinderte,
das „Foyer La Cerisaie“ in Dalheim
für Alt und Jung, den Service „Betreit
Wunnen Gasperich“ für junge
Erwachsene und das „Domaine
Schoumansbongert“ in Frisingen
für körperbehinderte ältere Mitmenschen.
Im Hauptsitz in Düdelingen gehen
heute vom Jugendlichen bis
zum Senior etwa 100 behinderte
Menschen in „geschützten Ateliers“
einer Beschäftigung nach;
24 Schüler werden ausgebildet,
zwölf jüngere Leute besuchen das „Centre de jour“.
Fröhlichkeit und Motivation
Wenn Direktor Tom Bellion einen
Rundgang über das weitläufige Gelände
macht, begegnen ihm viel
Fröhlichkeit und Motivation – den
Menschen scheinen ihre Tätigkeiten
Spaß zu machen. In der Buchhaltung,
zuständig für die gesamte
Stiftung, arbeiten zwölf Leute mit
moderner Computersoftware, „die
es auch vorher Ungelernten ermöglicht,
mitzuarbeiten“, erklärt
Direktion Bellion. Die 25 Jahre alte
Buchhaltung war eines der ersten
Ateliers im Haus – in der Öffentlichkeit
ist es jedoch weniger bekannt.
Das Atelier „Gärtnerei“ hingegen
hat eine starke Außenwirkung.
Besonders beliebt sind die Geranien,
die dort mit vielen anderen
Pflanzen für Balkon und Terrasse
oder für den Wohnbereich in dem
klimatisierten Gewächshaus herangezogen
werden. Für die 18 Behinderten,
die teils im Innen-, teils im
Außenbereich tätig sind, gibt es
immer etwas zu tun. „Seit Juli sind
wir schon dabei, ,Kleeschen‘ für
Weihnachten aus Tontöpfen zu
fertigen“, sagt Gerhard Engljahringer,
einer der Leiter der Gärtnerei.
Weniger bodenständig, doch zukunftsgewandt
agiert man im Atelier „Multimedia“. Hier werden für
interne Belange, aber auch für externe
Kunden Homepages und sogar
ganze Marketingstrategien ausgearbeitet.
Fünf – rein körperlich
behinderte – Mitarbeiter sorgen im
Team dafür, dass Design und Inhalte
stimmnen.
Außenwirkung hat auch die Druckerei,
in der Broschüren, Visitenkarten
und Briefpapier und andere
schöne Dinge gemacht werden,
ganz nach den Wünschen der Kunden. „Die Maschinen sind nicht die
neuesten, aber das Ergebnis kann
sich doch sehen lassen, oder?“, verweist
Tom Belling auf den Hochglanz-
Vierfarbdruck. Gleich nebenan
sitzt die Qualitätskontrolle,
wo die Druckerzeugnisse weiter
verarbeitet, gefaltet und verpackt
werden.
Gedruckt wird auch in der Siebdruckabteilung.
Hier entstehen unter
vielem anderen bunte T-Shirts
oder Aufkleber. Kunden suchen
sich Motive aus, und der Vorschlag
wird dann umgesetzt. Aber auch
kleine Werbeartikel werden hergestellt.
Immer dabei: eine Erzieherin,
die sich neben den fachlichen
Betreuern um das Wohl der behinderten
Mitarbeiter kümmert.
Individuelle Arbeit
In der Töpferei werden mit Gießformen
und fantasievoll geformten
Henkeln die unterschiedlichsten
Schmuck-stücke gefertigt. „Der
größte Hit sind derzeit Gefäße mit
schwarz-weißer Glasur“, sagt die
Atelierleiterin Karsta Orth, die gerade
zwei Mitarbeitern erklärt, wie
der fertig gegossene Ton heil aus
der Form geholt wird. Auch hier
wird individuell gearbeitet: Kunden
können zum Beispiel Namenstassen
mit bestimmten Motiven
bestellen.
Die Produkte können in der
hauseigenen Boutique „d'Bréck“
erworben werden, wo sie auf Kunden
warten. Nebenan gibt es noch
ein „Kreativateiler“ mit einer Bastelabteilung.
Hier ist das Motto
nicht „Produktion“, sondern„Kreativität“. Da entstehen dann
so interessante Dinge wie ein
Holztisch, der eine „umgedrehte
Baustelle“ darstellt.
Finanziert wird die Arbeit der „Fondation Kräizbierg“ hauptsächlich
vom Staat. Doch es gibt viele
Sponsoren und Spender, die die
Stiftung unterstützen. Und Tom
Bellion ist froh für jeden Cent: „Mit
den Spenden können wir auch mal
besondere Projekte starten.“
Luxemburger Wort , 03. Oktober 2007
von Birgit Pfaus-Ravida
Fotos: Serge Waldbillig
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Grün, weitläufig, freundlich, geschützt: So präsentiert sich das Gelände der „Fondation Kräizbierg“.

Tom Bellion, Direktor der „Fondation
Kräizbierg“, vor dem Verwaltungsgebäude
in Düdelingen.

Moderne Arbeitsgeräte in der Buchhaltung: Hier können auch Ungelernte
optimale Ergebnisse erzielen.

Den grünen Daumen kann man erlernen: Pascal Hellenbrand schneidet
Stecklinge, aus denen neue Pflanzen gezogen werden.

Teamarbeit: In der Siebdruck-Werkstatt erklärt Atelierleiter Carlo Limpach
Mike Facchin, wie man die Farbe gleichmäßig aufträgt.

Kleine Preziosen: fantasievolle Töpferwaren
aus den Ateliers.
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